„2, komma, 2; es reicht!“ „2, komma, 1; es reicht nicht!“ „mmmnn, jetzt sind es schon 2, komma, 3! das ist zu viel!“ „ich weiß nicht was, aber mit deiner optik stimmt etwas nicht!“ mit dem reifen stimmte dafür alles. m., der den wortwechsel zwischen vater und sohn im vorbeigehen aufschnappte mußte schmunzeln. der zitternde zeiger des kompressors zeigte von jedem blickwinkel aus einen anderen wert. die schiebetür schloß sich hinter m und schloß ihn im konsumparadies tankstelle ein. ein entkommen war nur mehr an der kasse vorbei möglich. 54
komma 3 liter benzin und einen schokoriegel reicher verließ er das
geschäft und kurz darauf im langsam rollenden auto die tankstelle. vom wiederherstellen des reifeninnendrucks waren vater und sohn zum wiederherstellen der auto-innen-sauberkeit fortgeschritten – statt luft in reifen zu blasen saugten sie mit vereinten kräften krümel und anderes mitsamt der luft aus der sitzposterung. ein stolzer vater, der einen autofetischisten heranzog. m verspürte eine hämische gewissheit, das dynamische doppelpack am heimweg wiederzusehen, wahrscheinlich beim herstellen des karrosserie-außen-glanzes durch streicheln mit microfaserigen tüchern. nicht, daß er auf die pflegenden herabgeblickt hätte. der mann an der waschstraße bekam von ihm auch immer trinkgeld für die mühe. vielleicht war sohn ja auch eines lohnes fürs heinzelmännchen spielen würdig. m hielt ihn jedenfalls dafür.
"du bist zu schnell!" m hatte seine beifahrerin im morgendlichen dusel fast vergessen und wenn da nicht die verführerisch gut asphaltierte stadtautobahn gewesen wäre, hätte er glatt vergessen die nächste abfahrt zu nehmen um s am weg zu seiner, bei ihrer arbeit abzusetzen. so aber achtete jemand auf seinen tacho und machte sich eben bemerkbar. - Thomas Prikowitsch | "nein bin ich nicht!" "doch, ich sehe es ja!" "du siehst den zeiger von deiner seite anders als ich!", beharrte m nun etwas munterer und spurte auf den verzögerungsstreifen um. "ja, und zwar so, daß es so aussieht als wärest du langsamer.", griff s den satz auf. m gab ein brummgeräusch von sich, "ja.. stimmt ich war zu schnell. dafür bist du schon am ziel." einen flüchtigen kuß und eine sanft ins schloß fallende tür später war m mit seinem tacho und der autobahn alleine. "sie waren zu schnell!" "wirklich? oje! ich hab' mich am vordermann orientiert... wollen sie nicht ein auge zudrücken?" "nehmen sie mir die geschwindigkeitsbegrenzungen nicht zu lax!", kam es darauf barsch. 30 euro ärmer und einen armseligen durchdruck des strafmandats reicher erreichte m schließlich sein ziel.
f saß schon bei i im büro. m stieß dazu und brachte einige aktenordner mit. "pah, doch noch pünktlich, die polizeit hat mich ausgesäckelt!" "die uhr geht um 5 minuten vor! 5 minuten verspätung - 5 schokobananen für den meetingleiter!", rezitierte i. "jaja", maulte m und versprach die strafzahlung bei nächster gelegenheit nachzuholen. "also, jungs, wir besuchen nachmittags die fertigung und die kalibrierung und schaun den jungs ein bisschen auf die finger.", das war is ganzer tagesplan für seine jungs.
| der vormittag verging im flug und nach dem mittäglichen mahl trafen sich die drei gleich in der fertigungshalle. zeigermessgeräte wie sie die firma i & söhne herstellte wurden zwar nicht mehr so häufig gebraucht, aber mit qualität konnte man den markt doch für sich einnehmen. "sehen sie selbst!", der mann in dem weißen kittel zeigte auf ein fertig assembliertes meßgerät, wie die firma sie an technische schulen verkaufte. "und?" "die maschine" - damit meinte er den verhaßten computer - "kann die abweichung nicht erkennen. sie mißt ungenau, ist fürs kalibrieren nicht geeignet.", führte der chef der qualitätsprüfung seinen persönlichen grabenkampf mit i um mehr angestellte und weniger computerunterstützung fort. "und ihre jungs sehen sich daher jedes gerät noch einmal an." "ja, geht ja nicht anders." "hm.", i starrte auf den zeiger herab. er hatte ein auge geschlossen und stellte sicher, daß er in dem schmalen verspiegelten streifen unter dem zeiger das spiegelbild des zeigers nicht sah. verdeckte der zeiger das spiegelbild, las man den richtigen wert ab. i öffnete sein 2. auge, sag zu dem kittelträger auf und meinte, "also wenn ich so" - und zeigte dabei auf beide augen - "schaue, ist alles ok.", das werden die schüler schon nicht merken. "also so" - der qualitätsprüfer zeigte auch auf seine beiden offenen augen - "sehe ich meine chef". er drückte nun sein linkes auge zu ,:"und selbst wenn ich ein auge zudrücke, seh' ich immer noch 'nen idioten", schob er dem langjährigen freund salopp nach. "das kommt, weil mein oberqualitätsprüfer selbst mit einem auge einem paralaxen fehler unterliegt. wo soll das hinführen? wir brauchen mehr maschinen!", schlußfolgerte i mit einem gespielt gequälten ton. m und f schauten in die luft und schmunzelten in sich hinein. manchmal mußte man ein auge zudrücken um genau zu sehen und manchmal um nicht alles zu genau zu nehmen. |