Essay - Den modernen Gesichtsverlußt vermeiden

veröffentlicht um 20.05.2010 05:02 von Thomas Prikowitsch   [ 29.05.2010 15:29 wurde aktualisiert. ]

"Ich habe mein Gesicht im Internet verloren!"

In der letzten Zeit mehren sich die Berichte von Leuten, die im Facebook ihr Gesicht verloren haben. Man las zum Bleistift von depressiven Menschen, denen aufgrund von Fotos auf sozialen Netzen die Kranken-Unterstützung entzogen wurde - weil sie auf dem Foto lächelten. Lehrer die keinen Job bekommen, weil Fotos von einer wilden Party im Sozial-Netz kursieren und die so zu einer traurigen und unfreiwilligen Berühmtheit wurden. Menschen, die ihren Job verlieren, weil sie unbedachte Äußerungen über Vorgesetzte oder ihre Firma machten und das der ganzen Web-Weiten-Welt präsentiert wurde, ohne dass sie sich dessen bewusst waren finden sich da genauso wie Jugendliche die über eine Anzahl negativer Kommentare ihrer vermeintlichen Freunde Selbstmord begehen.

Und man fragt sich endlich einmal willkürlich:

Bringen uns Soziale Netze wirklich näher?

Sind diese Freunde wirklich Freunde? Kann ich mit all diesen Gesichtern  überhaupt befreundet sein? Sind die Leute im Facebook wirklich die Leute? Oder sind sie nur die Gesichter von Leuten? Ist das Face-Dings nicht nur ein Pontemkinsches Dorf - allso ein Facade-Book? Oder ist es ein Farce-Book?  Ist Facebook wirklich Stasi auf freiwilliger Basis? Sind Soziale Netzwerke wirklich Sozial? Werden wir wirklich verbunden, vernetzt oder eher eingesponnen? Sind wir alle gläserne Menschen? Wollen wir gläserne Menschen sein? Ist das Gesichter-Sammel-Album ein Informations-Sammelsurium aus dem mich Leute wahllos herausfischen können, mit denen ich nichts zu tun haben will? Ist es ein Präsentierteller für menschliche Qualität, oder ein Vergrößerungsglas für meine Makel? Ist Farmville Opium für das Volk? Wie kann ich meine Privatsphäre schützen? Befreunde ich mir Stalker?

Anm.: Ich schreibe Facebook stellvertretend für all die Sozialen Netze da draußen.

Was aber untergeht...

Vor allem müssen wir uns fragen: "Bin Ich dort Ich?"

In der Antwort auf diese Frage steckt die Lösung für all die Probleme die sich im Umgang mit Sozialen Netzen ergeben können. Anders formuliert: "Benutze ich das Netz verantwortungsvoll, also in einer Form zu der ich stehen kann, oder lasse ich mich benutzen um zum Gegenstand der Unterhaltung anderer zu werden?"  

Im Grunde genommen sind Soziale Netzwerke zu einem Mittel zur Selbstbestätigung geworden, während sie uns als Mittel der Unterhaltung, Präsentation und Kontaktaufnahme angepriesen werden. Sie liegen im Trend der "Sofort-Aufmerksamkeits"-Generation. Man präsentiert sich und kann unmittelbar kommentiert oder bewertet werden. Man sagt, was man gut findet und findet gleichgesinnte. Die Feedback-Schleife ist möglichst kurz. Und umso mehr Freunde man sein Eigen nennt, desto wahrscheinlicher ist es, dass jemand reagiert und die Feedback-Schleife schließt. Und mit einem Mal scheint nicht mehr die Beziehung selbst im Mittelpunkt zu stehen, sondern der Nutzen aus der Beziehung - die Selbstbestätigung. 

Aber genau das scheint die Funktion von der modernen Netzwerk-Kultur zu sein, die in z.B. Facebook Abbildung findet - bestätigung des Selbstbildes durch andere.

 Beziehungskiste oder Blackbox?

Die Tatsache, dass alle Beziehungen als Freundschaft bezeichnet werden ist zwar positiv, aber leider eine positive Vorgabe. Ein Mensch hat nicht nur Freunde. Nicht alle Menschen die wir kennen bewerten wir und bewerten uns gleich. 

Nicht mit jedem Spielen wir Gesellschaftsspiele. Nicht mit jedem unterhalten wir uns darüber was wir gerade tun. Nicht mit jedem tauschen wir Urlaubsfotos. Nicht jedem erzählt man welche Musik man hört. Nicht jeder weiß, mit wem wir befreundet sind, wen wir noch kennen, mit wem wir in welcher Weise auch immer verbunden sind. Nicht jeder weiß wie wir über Dinge denken, die jeder andere tut, nur weil wir sie kommentiert haben. Nicht jeder kennt unser Alter, unsere Religionszugehörigkeit, unseren Lebenslauf, was wir mögen oder auch welchen Vereinen oder Clubs wir angehören.

All diese Informationen werden uns im realen Alltag nur nach und nach zugänglich. Wir bilden uns auch nicht beim ersten Treffen ein Gesamtbild von einer Person. Und das genauso wenig, wie wir bei einem ersten Treffen unser ganzes Leben ausbreiten würden. 

Und doch ist das das voreingestellte Verhalten unseres Gesichts im Internet. Alles was an Informationen über uns vorhanden ist, wird bei der ersten Kontakt-Aufnahme präsentiert. Und mancher präsentiert es ungefiltert sogar der ganzen Welt.

Unser Verhalten im Internet weicht per Vorgabe von unserem Verhalten im realen Leben ab. Die Vorgabe macht Facebook. Und dieses Faktum muß uns bewußt werden. Das ist Sinn und Zweck der Gesichts-Sammel-Anlage. Man will uns eine Plattform bieten, durch die wir uns unseren positiv bewerteten Kontakten mitteilen und präsentieren können.

Und auch hier spaltet sich die virtuelle von der wirklichen Realität. Es gib nicht nur Stufen positiv bewerteter Kontakte. Es gibt auch negativ bewertete Beziehungen zu anderen Individuen. Und diese werden in der virtuellen Welt nicht berücksichtigt. Denn es gibt nur Freund und Unbekannt. Was ist mit Menschen, die wir kennen, aber nicht an unseren engeren Kreis heran lassen wollen?

Vielleicht wollen wir nicht, dass diese Leute alle unsere Kontakte sehen dürfen, wollen sie aber nicht aus einem größer gesteckten Rahmen ausschließen. Dafür ist Facebook nicht gedacht. Das ist eine Wahrheit. 

Facebook ist dazu gedacht den engen Freundeskreis zu pflegen. Und für diese Leute einen langfristig verfügbaren Kontaktpunkt zu bieten.

Alle anderen Möglichkeiten sind da, aber noch nicht genug ausgeprägt.

Man muss vielen der Vorgaben nicht folgen! Facebook bietet die Möglichkeit Gruppen anzulegen - Freundeskreise - und Gruppen verschiedene Rechte zu erteilen. Ein detailliertes Set an Gruppen anzulegen, Freunde Gruppen zuzuweisen und den Gruppen Rechte, dauert gut einige Stunden.

Man muss entscheiden wer die Pinnwand lesen darf, wer Fotos sehen darf et cetera. Und hier stößt man natürlich an Grenzen der vorgegebenen Granularität. 

Anschließend kann man alle Informationen gezielt für Freundes-Kreise freigeben. Das bedeutet aber bei jeder neu erzeugten Information zu überdenken, wer sie einsehen darf. Und hier stößt man an die Grenzen des Komforts. Und das ist auch der Grund, warum viele mit den Vorgabe-Verhalten zufrieden sind. Denn wir wollen uns doch einfach nur unterhalten und nicht denken müssen.


Erwachsenwerden heißt Eigenständigkeit


Eigenständigkeit ist die Fähigkeit alleine zu stehen. Facebook läßt uns aber nicht alleine stehen. Es ist ein Rahmenwerk, in dem wir zu stehen kommen. Es stützt uns, unterstützt uns. Es nützt uns, aber es nutzt uns auch. Es ist nicht nur ein Werkzeug für den Nutzer. Es ist selbst ein Nutzer, der die "Kunden" zu demografischen Werkzeugen macht.

Wir erleben gerade eine Art interNETionale Pubertät. Die schweren Jugendjahre vor dem Erwachsenwerden. Wir stecken in einer Phase der Selbstfindung. Und die Fragen zur Nutzung des sozialer werdenden Netzes müssten eigentlich lauten:

Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie will ich mit anderen umgehen? Wie sollen andere mit mir umgehen? Auf welcher Basis? Nach welchen Regeln? Wie kann ich mich dabei selbst - mein Selbst - behaupten?

Und Erwachsen zu werden bedeutet sich auf all diese Fragen eine Antwort geben zu können.

 

Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie sollen mich andere sehen?

 

Eines ist sicher. In 10 Jahren will man nicht mehr der Mensch sein, der man war, als man sein Gesichts-Tagebuch mit Daten befüllt hat. Und doch, wird man als mit-20'er dann unter Umständen nach dem beurteilt womit man als unreifer Teenager sein eigenes Abbild im Netz beschmiert hat. Es ist also zu allen Zeiten wichtig auf sein image zu achten. Und es wäre die Verantwortung von Eltern, Lehrern und Netzwerkbetreibern hier Aufklärung und Begleitung zu bieten.

Helden waren früher Idole (was "kleiner Gott" heißt) denen man nacheifern wollte, die bewundert wurden. Und eine ganze Schar Helden waren es, wegen ihrer moralischen Vorbildwirkung. Leute, die man zu Freund haben wollte, weil sie toll waren.

Heute ist es modern den Helden die Maske vom Gesicht zu reißen und in ihre Abgründe zu schauen. Man identifiziert sich nicht mehr mit ihren Qualitäten, sondern ihren Schwachstellen. Das ist ein Trend der einem suggeriert, dass man sich auch dann auf das Podest stellen kann, wenn man nicht so gut ist. Man steht auch mit Fehlern gut da. Fehler sind Gesellschaftsfähig und alles sind Delikte, die einem Kavalier nun mal passieren - für die man nicht kritisiert werden will, selbst wenn sie kritikwürdig sind. Man macht sich selbst zum Antihelden - immerhin ein Held.

Und das entspricht dem Ursprung des Heldentums. Ein griechischer Held war dem Wort nach ein Halbgott. Und die Griechischen Götter waren schon nicht die besten Menschen. Keine moralischen Vorbilder. Noch weniger die Halbgötter.

Man muss sich fragen: Als Held meines eigenen kleinen Kosmos - Welche Art Held will ich sein? Welche Art Freund will ich sein? Jemand den meine Freunde gerne anderen vorstellen, oder den sie verleugnen? Tiefgründig, oder Abgründig? Mit gutem Tiefgang oder schlechtem Abgang?

Wie wir mit uns selbst umgehen und uns damit selbst präsentieren ist eine sache der Selbsteinschätzung. Das "Schätzen" kommt von "Schatz".  Bin ich mir etwas Wert? Bin ich mir egal? Andere können mich nur soweit mit Wertschätzung behandeln - mich also als wertvoll schätzen - wie ich mich selbst mit Wertschätzung behandle. Warum? Weil sie meinen Wert schätzen müssen, ehe sie mich wertschätzend behandeln. Sie müssen also erkennen können, wie viel ich wert bin. Wie können sie das, wenn ich mich selbst abschätzig behandle? Wir brauchen also Selbstachtung um achtbar zu sein, sonst werden wir missachtet oder verachtet. 

Der alte Spruch: "Zeige mir deine Freunde und ich sage dir, wer du bist." - gilt in beide Richtungen. Wir müssen besser entscheiden mit wem wir uns Assoziieren. Und müssen präsentierbarer werden.

Also für die Präsentation mit gutem Gewissen: "Zeige dich nur von deiner besten Seite!" - und vor allem: "Sei deine beste Seite".

 

Wie will ich mit anderen umgehen? Wie sollen andere mit mir umgehen? 

 

Beides sollte mit Achtung, Achtsamkeit und Würde passieren. Also vor allem bewusst, überlegt und verantwortungsvoll, geradlinig, mit Rückgrat. 

Das Sprichwort "Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus!" steht in einer Reihe mit moralischen Aussagen wie "Dein Verhalten sollte stets so sein, dass man es zur allgemeinen Regel erheben kann.", "Was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, sollt ihr ihnen ebenso tun."

Was oben über das Einschätzen von uns selbst gesagt wurde gilt hier auch. Wir schätzen den Wert anderer für uns ab. Und wir behandeln andere entsprechend dem Wert, den wir ihnen für uns beimessen.

Viele betrachten nur den Gesamtwert ihres sozialen Netzes und sammeln daher Kontakte um ein großes Netz zu schaffen. Der Einzel-Kontakt verliert an Bedeutung. Alle sind Freunde und doch auf Distanz. Dann ist das Gesichter-Buch nur mehr ein Adressbuch, der einzelne Kontakt nur eine Nummer. Dann wird sich das auf unseren Umgang mit der Person an der Sammelstelle unserer Kontakte auch auswirken.

Echte Wertschätzung und Achtsamkeit hat aber etwas damit zu tun, den anderen so zu akzeptieren, wie er ist - wie er sich präsentiert. Und wenn wir andere mindestens auf unsere Stufe heben dann ist es leicht die Würde des anderen zu wahren. Man zeigt dem anderen welchen Wert man ihm beimisst. Und wenn man etwas nicht leicht schätzen kann, sollte man ihm ein Mindestmaß zugestehen. Und das Mindestmaß ist damit bemessen, dass wir uns ein solches Mindestmaß von anderen wünschen. Im Bibelwort "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst".

Das wird Abwertung und Missbrauch verhindern. Hebt man den Anderen hebt man sich selbst. 

 

Auf welcher Basis? Nach welchen Regeln?

 

Auf jeder Basis. Nach den Regeln guten Benehmens. 


Wie kann ich mich dabei selbst - mein Selbst - behaupten?

 

Konsequenz

 

Mehrspaltiges Layout - Kein Problem in RSS

veröffentlicht um 15.10.2009 06:26 von Thomas Prikowitsch   [ 15.10.2009 06:41 wurde aktualisiert. ]

Das heißt ich muß mich an etwas Mutigerem versuchen. Ein Blog-Posting mit 3 Spaltigem Layout und Header-Zeile und Fuß-Zeile. Im Editor siehts gut aus.
Aber was im Editor gut beginnt muß noch nicht gut sein, richtig? Wir dürfen aber Hoffen. Und wie ich hoffe, daß Das klappt!!!
Es wird schon! Man muß nur fest dran glauben, daß Google einmal ein wirklich komplett so fabriziertes Produkt hat, wie man es sich wünscht!


oh nein, oh nein! ich sehs schon... das kann nicht gut gehen.
entwerder ich schreibe da zu viel oder ich bin einfach zu übermütig und erwartungsvoll ...

Site-Layouts in RSS?

veröffentlicht um 15.10.2009 06:09 von Thomas Prikowitsch   [ 15.10.2009 06:19 wurde aktualisiert. ]

    Das ist der Versuch eines dreispaltigen Blog-Postings. Und dies ist Spalte 1. Wenn sich das so machen ließe wären Google Sites wohl eine sehr mächtige Blog-Basis, da nur wenige Blogs Designs innerhalb der individuellen Postings zulassen.

Erfolg oder Mißerfolg?


    Mir fiel bei schlichten Blogs auf, daß man sie einfachst per RSS abbonieren kann. Bei Blogs mit elaborierteren Designs sieht das anders aus... scheinbar... leider....

Der eigentliche Test.    

    Der eigentliche Test geschieht also durch Posten dieses Textes, als erstes in einem Dreispaltigen Design. Anschließend schlichter und schlichter, bis es funktioniert.


Hier kommt ein Bild her!

Und hier noch ein wenig experimenteller Text.

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